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PM 09.04.2026 zum Thema „Honorarkrise, Fachkräftemangel und Tarifgerechtigkeit: bkj verabschiedet Positionspapier zur Eingruppierung approbierter Psychotherapeut:innen im öffentlichen Dienst“

PM20260420_Honorarkrise, Fachkräftemangel und Tarifgerechtigkeit

2026_04_Positionspapier zur Eingruppierung von PsychotherapeutInnen

Honorarkrise, Fachkräftemangel und Tarifgerechtigkeit: bkj verabschiedet Positionspapier zur Eingruppierung approbierter Psychotherapeut:innen im öffentlichen Dienst

Vorstandsklausur in Wiesbaden setzt Signal für Anerkennung von Qualifikation, Verantwortung und Versorgungssicherheit

Der Bundesverband für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie e. V. (bkj) hat auf seiner Vorstandsklausur am 18. April 2026 in Wiesbaden ein umfassendes Positionspapier zur tariflichen Eingruppierung approbierter Psychotherapeut:innen im öffentlichen Dienst verabschiedet. Damit setzt der Verband ein deutliches Zeichen für die tätigkeitsentsprechende Vergütung psychotherapeutischer Fachkräfte, die Anerkennung ihrer Qualifikation sowie eine moderne Abbildung psychotherapeutischer Berufe in den bestehenden Institutionsstrukturen.

„Das verabschiedete Positionspapier greift eine seit Jahren bestehende tarifpolitische Problemlage auf. Approbierte Psychotherapeut:innen übernehmen im öffentlichen Dienst eigenständige heilkundliche Verantwortung, tragen umfassende diagnostische und therapeutische Entscheidungsverantwortung und sichern in Kliniken, Beratungsstellen, Rehabilitations- und Jugendhilfeeinrichtungen wesentliche Teile der Versorgung. Diese Verantwortung ist jedoch bisher weder einheitlich im Rahmen der Befugnisse von angestellten Psychotherapeut:innen geregelt noch wird sie tariflich angemessen abgebildet.“ erläutert Stephan Osten, stellv. Vorsitzender des bkj e. V.

Solidarität mit aktuellen Protesten – eigene Perspektive angestellter Psychotherapeut:innen sichtbar machen

Der bkj erklärt ausdrücklich seine Solidarität mit den derzeitigen Protesten gegen Honorarkürzungen und mögliche weitere Einschränkungen in der psychotherapeutischen ambulanten Versorgung. Viele angestellte Psychotherapeut:innen teilen die Sorge um die Zukunft der Versorgung, finden jedoch in den aktuellen Debatten und Protestformaten bislang nur unzureichend eine eigene Stimme.

Besonders Psychotherapeut:innen im Angestelltenverhältnis erleben seit Jahren strukturelle Spannungen zwischen hoher Verantwortung, mangelnder Anerkennung der tatsächlichen Qualifikation, zunehmendem Fachkräftemangel, steigenden Fallzahlen und einer tariflichen Einordnung, die vielfach nicht mehr den realen Tätigkeitsanforderungen entspricht. Der bkj will hier als Interessenvertretung aller Fachkräfte in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Abhilfe schaffen und die Perspektive angestellter Kolleg:innen sichtbar stärken.

Anschluss an bisherige Positionierungen des bkj

Mit dem neuen Positionspapier knüpft der bkj an seine bisherigen Stellungnahmen zur Sicherung psychotherapeutischer Versorgung, zur Weiterentwicklung der Berufsqualifikation sowie zur Stärkung der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in allen Sektoren an. Der Verband hat wiederholt darauf hingewiesen, dass eine gute Versorgung junger Menschen nur mit ausreichend qualifizierten, fair vergüteten und dauerhaft im System gehaltenen Fachkräften möglich ist.

Die nun verabschiedete Position konkretisiert diesen Anspruch tarifpolitisch: Qualifikation, Verantwortung und heilberufliche Eigenständigkeit müssen sich auch in den Eingruppierungsstrukturen des öffentlichen Dienstes widerspiegeln.

Kernforderungen des Positionspapiers

Der bkj spricht sich insbesondere aus für:

  • eine sachgerechte Weiterentwicklung der tariflichen Eingruppierung approbierter Psychotherapeut:innen,
  • eine klare Differenzierung zwischen Weiterbildungsstatus und abgeschlossener Fachqualifikation,
  • die Gleichbehandlung aller approbierten Kinder- und Jugendlichen-psychotherapeut:innen unabhängig vom Erststudium,
  • die bessere Abbildung psychotherapeutischer Leitungs-, Koordinierungs- und Steuerungsfunktionen,
  • attraktive Arbeitsbedingungen zur Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte.

Einladung zum Dialog

Der bkj lädt Gewerkschaften, Berufs- und Fachverbände, Arbeitgebervertretungen, Personalräte sowie politische Entscheidungsträger ein, die im Positionspapier formulierten Vorschläge gemeinsam zu beraten und tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Tarifpolitik, Berufsrecht und Versorgungspolitik dürfen nicht länger getrennt betrachtet werden. Wer psychotherapeutische Versorgung sichern will, muss auch die Arbeitsbedingungen derjenigen verbessern, die sie täglich leisten.

„Psychotherapeut:innen im öffentlichen Dienst tragen hohe Verantwortung – für Kinder, Jugendliche, Familien und das Gemeinwesen. Diese Verantwortung verdient Anerkennung, auch tariflich. Mit unserem Positionspapier wollen wir einen konstruktiven Beitrag leisten und den Dialog mit allen Beteiligten suchen“, fasst Dr. Inés Brock-Harder (Vorsitzende des bkj) zusammen.

Für Rückfragen:

Dr. Inés Brock-Harder                                                    Stephan Osten, M.Sc.Psych.
brock-harder@bkj-ev.de                                                 osten@bkj-ev.de