PM 04.05.2026 zum „Thema GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist ein Angriff auf die psychische Versorgung von Kindern und Jugendlichen“
PM_20260504_GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz
GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist ein Angriff auf die psychische Versorgung von Kindern und Jugendlichen
bkj warnt vor Versorgungskollaps, längeren Wartezeiten und folgenschweren politischen Fehlentscheidungen
Der Bundesverband für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie e. V. (bkj) weist den vorgelegten Entwurf eines GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes entschieden zurück. Der Gesetzentwurf ist kein nachhaltiges Reformkonzept, sondern ein kurzfristiges Sparprogramm auf dem Rücken erkrankter Menschen – und besonders zulasten von Kindern und Jugendlichen.
Wer die psychotherapeutische Versorgung junger Menschen schwächt, handelt gesundheitspolitisch fahrlässig und ökonomisch kurzsichtig.
„Psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter sind keine Randthemen. Sie entscheiden über Bildungswege, soziale Teilhabe, Familienentwicklung und die gesundheitliche Zukunft ganzer Generationen. Gerade in diesem Bereich sind frühzeitige Behandlungen hochwirksam und volkswirtschaftlich sinnvoll. Trotzdem setzt die Bundesregierung dort an, wo Hilfe bereits heute knapp ist“, kritisiert Stephan Osten, stellv. Vorsitzender des bkj.
Sparen an Kindern ist politisches Armutszeugnis
Schon jetzt warten Kinder und Jugendliche vielerorts monatelang auf einen Therapieplatz. Familien werden in Krisen allein gelassen, Schulen überfordert, Jugendämter belastet, Kliniken überlaufen.
Statt diese Lage endlich zu entschärfen, droht das Gesetz:
- wirtschaftlichen Druck auf Praxen zu erhöhen,
- Niederlassungen unattraktiver zu machen,
- Behandlungskapazitäten zu verringern,
- Wartezeiten weiter eskalieren zu lassen,
- Versorgung in ländlichen Regionen zusätzlich auszudünnen.
Das ist keine Stabilisierung. Das ist organisierte Verschlechterung.
Fachlich falsch, ökonomisch unsinnig, sozial verantwortungslos
Jede verhinderte oder verspätete Psychotherapie erhöht das Risiko für Chronifizierung, Schulabbrüche, Selbstgefährdung, stationäre Einweisungen und langfristige Erwerbsunfähigkeit. Wer ambulante Psychotherapie schwächt, produziert Folgekosten in Milliardenhöhe – in Gesundheitssystem, Jugendhilfe, Bildungswesen und Sozialstaat.
An einem der wirksamsten Versorgungsbereiche zu sparen, ist nicht seriöses Regieren, sondern teure Symbolpolitik.
Der bkj kritisiert mit Nachdruck, dass junge Menschen mit psychischen Erkrankungen im Gesetzentwurf faktisch zu einem Konsolidierungsobjekt gemacht werden. Wer in Sonntagsreden Prävention fordert und gleichzeitig Frühintervention abbaut, verliert jede gesundheitspolitische Glaubwürdigkeit. „Seit Jahren ist bekannt, dass die seelische Gesundheit von Heranwachsenden immer noch von Pandemiefolgen beeinträchtigt ist. Immer wieder wurde deshalb auch eine separate Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie versprochen. Diese muss endlich kommen!“ appelliert Dr. Inés Brock-Harder, Vorsitzende des bkj.
Kinder und Jugendliche sind kein Haushaltsposten
Kinder und Jugendliche dürfen nicht die Rechnung für finanzpolitische Versäumnisse bezahlen.
Unsere Forderungen
Der bkj fordert Bundesregierung und Bundestag auf, diesen Kurs sofort zu korrigieren:
- Keine Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen.
- Schutz und Ausbau der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.
- Vergütungssysteme, die reale Versorgung sichern statt Praxen strangulieren.
- Sofortprogramm gegen Wartezeiten bei jungen Menschen.
- Verbindliche Beteiligung der Fachverbände im weiteren Verfahren.
Klare Botschaft
Wer heute Therapieplätze kappt, schafft morgen noch vollere Notaufnahmen, Schulkrisen und Langzeitschäden. Das ist inakzeptabel! Wer an psychisch erkrankten Kindern spart, spart nicht – er verschiebt Leid und vervielfacht Kosten.
Über den bkj
Der Bundesverband für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie e. V. (bkj) vertritt die berufspolitischen und fachlichen Interessen der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen in Deutschland und setzt sich für eine flächendeckende, qualitätsgesicherte Versorgung junger Menschen ein.
Für Rückfragen:
Dr. Inés Brock-Harder Stephan Osten, M.Sc.Psych.
brock-harder@bkj-ev.de osten@bkj-ev.de