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bkj Pressemitteilung 13.03.2026// Thema „Honorarkürzung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen trotz steigender Kosten und Bedarfe“

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Honorarkürzung trotz steigender Kosten und Bedarfe – bkj protestiert scharf

Psychisch kranke Kinder und Jugendliche, die heute nicht behandelt werden, belasten die Gesellschaft und die Krankenkassen wirtschaftlich - jeder heute investierte Euro rentiere sich mind. 4-fach - da zukünftige Fehlzeiten, Arbeitsunfähigkeiten und chronische Erkrankungen verhindert werden!

 Am 11. März hat der Erweiterte Bewertungsausschuss Honorare für psychotherapeutische Leistungen zum 1. April um 4,5 Prozent abgesenkt. Der bkj kritisiert diese Entscheidung mit Nachdruck und hält sie angesichts steigender Bedarfe und wachsender Belastungen im Versorgungssystem für vollkommen verfehlt. Das hat nicht nur Folgen für die bereits jetzt niedrig bezahlten Kolleg*innen in einem akademischen/therapeutischen Heilberuf, sondern macht deutlich, dass der Anstieg der psychischen Erkrankungen nicht in seinen Ursachen betrachtet wird. Etwa die Hälfte (ca. 50 %) aller psychischen Erkrankungen beginnt bereits vor dem 19. Lebensjahr, wobei viele Störungen ihren Ursprung in der Kindheit und Jugend haben. Studien zufolge weisen etwa 10–20 % der Kinder und Jugendlichen eine behandlungsbedürftige psychische Störung auf.

„Jetzt ist der Moment, wo wir auf die äußerst defizitäre Versorgung von Gruppen mit besonderen Anforderungen und Bedarfen wie Kindern und Jugendlichen, aber auch Menschen mit einer Störung der Intelligenzentwicklung, psychisch labilen Migrant*innen hinweisen müssen. Diese Gruppen erfordern besondere Kenntnisse und auch andere Ausstattungen der Praxen. Dies wird aber in den statistischen Erhebungen, die für die Bewertungen herangezogen werden, systematisch unterschätzt, weil wir eine viel kleinere Berufsgruppe sind und damit untergehen in den Statistiken.“ proklamiert Michael Becker, Beisitzer im Vorstand des bkj.

„Wir müssen noch mal der Forderung Nachdruck verleihen, dass wir eine eigene Bedarfsplanung für Kinder brauchen, ebenso eine eigenständige Bewertung unserer psychotherapeutischen Leistungen, die oft komplexere Anforderungen haben wegen des gesamten Umfeldes, was wir berücksichtigen und mitbearbeiten müssen, wie die Familie, die Schule, Jugendhilfe etc. Wir haben zudem eine größere Verantwortung aufgrund der Kinderschutz-Aspekte von Minderjährigen. Eine Honorarkürzung in dieser Situation sendet ein vollkommen falsches Signal und gefährdet perspektivisch die Versorgung. Im Gegenteil müssten wir Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen wegen der grundsätzlich höheren Kosten (größere Räume, mehr Spiel- und Therapiematerial) höher bewertet werden. Statt Kürzungen braucht es eine strukturelle Stärkung der kinder- und jugendpsychotherapeutischen Versorgung.“ fordert die Vorsitzende Dr. Inés Brock-Harder.

Der bkj fordert daher:

  1. die Rücknahme der beschlossenen Honorarkürzung für psychotherapeutische Leistungen ab dem 1. April, da sie die ohnehin angespannte Versorgung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher weiter verschärft.
  2. eine eigenständige Bedarfsplanung für die kinder- und jugendpsychotherapeutische Versorgung, die den spezifischen Versorgungsbedarf von Kindern und Jugendlichen realistisch abbildet.
  3. eine separate Aufwandsbewertung für kinder- und jugendpsychotherapeutische Leistungen, die den erhöhten Zeit-, Raum- und Materialbedarf sowie die intensive Einbeziehung von Familie, Schule und Jugendhilfe berücksichtigt.
  4. eigene Abrechnungsnummern für spezifische Leistungen der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, um die besonderen Anforderungen dieser Behandlung angemessen abzubilden.

Unsere Leistungen führen dazu, dass sich Krankheiten nicht chronifizieren und im Erwachsenenalter zu schwereren und langwierigen Behandlungen auswachsen. Es ist auch Prävention vor Erkrankung im Erwachsenenalter. Das würde Kosten nicht nur langfristig senken, sondern wahrscheinlich auch die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung erhöhen, weil es weniger Arbeitsausfälle gibt.

 

Für Rückfragen:

Dr. Inés Brock-Harder                                      Stephan Osten, M.Sc.Psych.            Michael becker

brock-harder@bkj-ev.de                                  osten@bkj-ev.de                                 becker@bkj-ev.de

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