Alberic der Baumkönig

Alberic der Baumkönig
Gelesen von Dr.in Inés Brock-Harder
Das wunderschön illustrierte Kinderbuch ist in drei Teile aufgeteilt und beginnt mit einem Prolog und endet mit einem Epilog. In poetischer Sprache wird der Einstieg in die Geschichte in der blauen Stunde des Abends einfühlsam beschrieben. Wenn dann plötzlich die Dunkelheit hereingebrochen ist, bleibt unklar, wieso der Junge alleine im Wald bleibt. Dort beginnt das Kind sich vor den Schatten zu fürchten. Magische Dunkelheitsphantasien lähmen den
Jungen, die körperlichen Angstreaktionen werden dabei gut beschrieben. Diese Symptome einer Panikattacke verschwinden, als ein Baum beginnt zu Milan zu sprechen. Plötzlich ist er bereit dieses Monster, die Bilder sind auch wieder heller gestaltet, zu erforschen. Der alte große Baumkönig formuliert eine Einladung ihm zu folgen und sein Königreich besser zu verstehen. In dem magischen Reich gibt es Elfen und Zwerge, die man wie auf Suchbildern auch in den Illustrationen finden kann. Dabei bleibt tatsächlich ein wenig unklar, wieso der Junge nun gar keine Angst mehr zu haben scheint. Die Botschaft des Buches wird dann etwas später deutlich: „Ich suche mir aus, wovor ich Angst habe.“ Weil nachts die Sinne geschärft seien, klingen Geräusche anders als am Tag, man muss nur lernen sie zu verstehen. Ängste seien wie Monster, die wir selbst erzeugt haben. Wie bitte? Milan ist also selber schuld, dass er Angst vor der Dunkelheit hat? Zwar wird Bezug darauf genommen, dass es immer auf die Perspektive ankommt: wenn man klein ist, hat man vor großen Dingen Angst. Sicher ist es als Ermutigung gedacht, dass man seinen Ängsten nicht ohnmächtig ausgeliefert sei.
Im zweiten Teil wird viel von Achtsamkeit gegenüber der Natur und den Geheimnissen des Waldes gesprochen, der Baumkönig Alberic beschreibt die Träume und Wesen der Finsternis, die es nur zu entdecken gilt um angstfrei zu werden. Dies erscheint wie eine Spontanheilung und bagatellisiert Angststörungen. Die Nacht schenkt uns Kraft für den Tag und Dunkelheit gibt uns Zeit zum Durchatmen und ja, „Auch nach der dunkelsten Nacht geht die Sonne wieder auf.“
Im letzten dritten Teil gibt es dann einige überraschende Hinweise auf den Klimawandel und einen Appell, die Natur zu schützen, auch das ist sicher richtig, überfrachtet die Geschichte jedoch ein wenig. Dies führt nun zu einer Umkehr des Impulses, nicht mehr der Baumkönig hilft Milan seine Angst zu überwinden, sondern der Junge will nun dem Baum helfen. Dann kommt ein Unwetter und die Ängste sind wieder da. Dann gibt es den Sternenhimmel und Vollmond, in dem die zauberhaft dargestellten Fabelwesen tanzen. Mit dem Morgengrauen des zweiten Tages endet das Buch.… vielleicht ist ja auch alles nur ein Traum gewesen?
Wenn man über die Zielgruppe nachdenkt, ist wohl eher an Vorlesen für Vorschul- und Grundschulkinder gedacht, denn für Erstleser zu viel Text, für ältere Kinder, die das Buch selbst lesen könnten, ist die Aufmachung und der Protagonist eher „kleinkindhaft“, außer sie liebes Mystisches und Phantasie.
Bei einer Lesung in einer Buchhandlung - vielleicht mit ein paar der schönen Bilder an der Wand - kann ich mir das Buch am besten vorstellen.
Autorin: Anke Pahlenberg
Illustriert von Elias Flügge
Zauberinsel Verlag
Auflage 2024, 60 Seiten
ISBN 978-3-910424-86-9