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PM 11.12.2023: Kinderarmut macht seelisch krank – Zustand in Deutschland ernüchternd

PM 11.12.2023 Kinderarmut macht seelisch krank - Zustand in Deutschland ernüchternd

Kinderarmut macht seelisch krank - Zustand in Deutschland ernüchternd

Anlässlich des UNICEF-Berichts über Kinderarmut in den reichsten Ländern der Welt fordert der bkj endlich ein gesamtgesellschaftliches Credo, dass in Deutschland kein Kind in Armut leben darf

Der bkj teilt die Einschätzung der UNICEF: „Kinder, die dauerhaft oder immer wieder in Armut leben müssen, zeigen laut des Berichts mehr als doppelt so häufig soziale und emotionale Verhaltensauffälligkeiten. Viele von ihnen weisen einen geringeren Wortschatz auf und erkranken häufiger an Depressionen als Kinder, die in Wohlstand aufwachsen.“

Es ist ein Skandal, dass gerade nach den bitteren Erkenntnissen über das seelische Leid von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie, der „Wumms“ fehlt, endlich Kinderarmut wirksam zu bekämpfen. Es ist ein Armutszeugnis für die Bundesregierung die seit Jahren geforderte Kindergrundsicherung nicht im ausreichenden Umfang finanziell zu untersetzen. Gerade kleinere europäische Länder mit geringerem Wohlstand haben sich lt. des Unicef-Berichts dabei deutlich verbessert.

Das individuelle Leid in Armut aufzuwachsen ist das eine, was verhindert werden muss, das andere sind die wirtschaftlichen Folgen, die dagegengesetzt werden müssen. Folgekosten in der Jugendhilfe, im Bildungssystem und im Gesundheitswesen übersteigen die Kosten bei weitem, dazu gibt es ökonomische Berechnungen. Auch erfolgreiche Berufsbiographien gelingen dadurch nicht immer, was angesichts des Fachkräftemangels ebenfalls verheerend ist. Ein Teufelskreislauf!

Wir Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen erleben täglich, wie schwierig die Lebensbedingungen in armen Familien sind. Psychische Auffälligkeiten entstehen durch Stress in der Schule, fehlende Ressourcen für die Freizeit, Mediensucht, schlechte Ernährung (erhöhtes Adipositasrisiko) und andere Mangelsituationen.

„Ich bin empört, dass in der Haushaltskrise so getan wird, als sei die Kindergrundsicherung, die die prekären Lebensverhältnisse minimieren könnte, als Projekt der Familienministerin kommuniziert wird. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Bundesrepublik. Seit ich denken kann, kennen wir die Zusammenhänge von Kinderarmut, Bildungsbenachteiligung und seelischer Gesundheit.“ betont Dr. Inés Brock-Harder, Vorsitzende des bkj.

Dr. Inés Brock-Harder

Vorsitzende des Bundesverbandes für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie e.V.

www.bkj-ev.de
www.ines-brock.de
privates Diensthandy: 0170 36 32 36 5