Leitlinien sind systematisch erarbeitete, wissenschaftlich begründete Feststellungen dazu, wie eine bestimmte Erkrankung fachgerecht zu behandeln ist, wie also eine qualitativ gute Versorgung des Patienten stattfindet. Die Entwicklung und Verwendung von Leitlinien stellt die konsequente Realisierung von Qualitätssicherung dar. Leitlinien sind keine Richtlinien, sollen aber Standards zur Verfügung stellen, von denen  ein begründetes Abweichen als verantwortungsvolle Entscheidung des Arztes bzw. Therapeuten im Einzelfall explizit vorgesehen  ist. So sollen  Behandler und Patienten Sicherheit erhalten, was bei einer bestimmten Krankheit in welcher Reihenfolge zu tun ist. Leitlinien sollen einfach, aber auch umfassend sein. Sie sollen die Diagnostik, Indikation, Gegenindikation, Therapie enthalten. Sie sollen enthalten, unter welchen  Bedingungen eine Therapie empfehlenswert oder nicht empfehlenswert ist.

Es gibt verschiedene Qualitäten von Leitlinien. Zunächst entwickeln normalerweise Expertengruppen aus Fachverbänden konsensbasiert Checklisten dazu, wie aus ihrer Sicht eine bestimmte Krankheit zu behandeln ist. Diese Vorschläge werden von den Fachgesellschaften verabschiedet und sind dann sogenannte S1- Leitlinien. S2k- Leitlinien werden aus formal bewerteten (evidence level) Aussagen der wissenschaftlichen Literatur entwickelt oder in einem geregelten formalen Konsensusverfahren beraten und verabschiedet.  S2e-Leitlinien basieren auf Evidenzrecherche und formaler Konsensfindung. S3- Leitlinien, wie die vielbesprochene „Nationale Versorgungsleitlinie Depression“, werden systematisch u.a. auf der Basis von Metastudien und unter Berücksichtigung gesundheitsökonomischer Ziele entwickelt.  Sie verarbeiten Experten-Standards wie in S1- und S2- Leitlinien, basieren aber auf einem sehr viel breiter angelegten Konsens aller an der Behandlung einer bestimmten Krankheit beteiligten Fachgruppen.  Sie müssen Wirksamkeit (efficacy), Wirkung (effectiveness) und Wirtschaftlichkeit (efficiency) widerspiegeln.

Die Entwicklung von Leitlinien wird auch für die Behandlung psychischer Erkrankungen fortschreiten und ist insofern ein Thema, das uns alle angeht. Um der Psychotherapie auch in Zukunft im Gesundheitswesen den ihr angemessenen Platz zukommen zu lassen, ist es daher unter anderem notwendig, wissenschaftlich fundierte Wirksamkeitsstudien durchzuführen. Weiterhin wird es so sein, dass aus Leitlinien Qualitätsindikatoren abgeleitet werden, Leitlinien also letztendlich neben der Überschaubarkeit von Behandlungspfaden immer auch eine Möglichkeit zur Überprüfung der Behandlungsqualität darstellen. Auf lange Sicht wird sich diese Möglichkeit wohl auch in der Bezahlung von Leistungen niederschlagen.

Ein häufiger Kritikpunkt an Leitlinien ist die mangelnde Berücksichtigung von Komorbiditäten, die empfundene Einschränkung der Therapiefreiheit sowie die Dominanz des medizinischen Denkmodells, d.h. das der Psychotherapie angemessene kontextuelle Denkmodell (Bedeutung der generellen Wirkfaktoren, von Allianz und Allegianz) werde zu wenig ernst genommen.

Mit der Entwicklung und Koordinierung von Leitlinienvorhaben ist in Deutschland die AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) beauftragt. Link zur AWMF

Für den Inhalt dieser Seite ist eine neuere Version von Adobe Flash Player erforderlich.

Adobe Flash Player herunterladen